Wie unsere Vorfahren putzten

Alternative Reinigungsmittel - wie unsere Vorfahren putzten!

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Wer heute zu einem Allzweckreiniger greift oder einem speziellen Reinigungsmittel für Glas, Kacheln, Backöfen etc. fragt sich manchmal, wie unsere Vorfahren ohne diese Putzmittel Ihre Wohnungen sauber halten konnten. Wie kann man putzen ohne moderne Reinigungsmittel?

 

Das Hygienebewusstsein der Menschheit

Zunächst mal sollte sich jeder vor Augen halten, dass die Menschen kaum etwas von der Entstehung von Krankheiten wussten. Sauberkeit hieß in erster Linie alles aus dem Haus zu schaffen, was störte. Selbst prächtige Städte hatten Straßen, in denen sich die Abfälle türmten. Es gibt wenig historische Dokumente über das Putzen. Einen kleinen Einblick geben die Erlasse der Franzosen, nach dem sie die Stadt Köln im Jahr 1794 erobert hatten. Offensichtlich haben die Bewohner der Stadt Schmutz, Fäkalien und anderen Unrat einfach aus den Fenstern auf die Straße geschüttet. Auf der anderen Seite gibt es Belege über den Gebrauch von Seifen im Alten Testament. Die Römer kannten Seifen und berichten auch von ähnlichen Produkten bei den Galliern und Germanen. Ob diese Mittel nur für die Körperhygiene verwendet wurden, ist unbekannt, auf jeden Fall wurde schon früh mit Seife die Wäsche gewaschen. Als Putzmittel dürften aber eher feiner Sand und Asche gedient haben, diese Mischungen waren so etwas wie ein Allzweckreiniger der Antike und es Mittelalters. Zu bedenken ist auch, dass den Menschen in der Regel kein fließendes Wasser zur Verfügung stand. Wasser für den täglichen Bedarf musste in Eimern aus Brunnen oder von weit entfernten Quellen besorgt werden. Der Gedanke mit dem mühsam herbeigeschafften Wasser zu putzen erschien den Menschen absurd. Es wurde zum Kochen und zum Trinken verwendet.

Sand als Allzweckreiniger

Über Jahrhundertes war Sand ein universelles Reinigungsmittel. Er wurde in Gruben oder an Flüssen gewonnen und auf die Holzböden gestreut. Zur Reinigung wurde der Sand zusammen mit dem darin befindlichen Schmutz aufgefegt. Er diente auch als Scheuermittel, das heißt, die Reinigung erfolgte weitgehend mechanisch. Der Sand rieb anhaftenden Schmutz ab. Zur Verstärkung der Reinigungskraft wurde dem Sand Asche beigemengt. Die in der Asche enthaltenen alkalischen Substanzen lösten ausgezeichnet Fett. Pottasche (Kaliumcarbonat) aber auch Soda (Natriumcarbonat) und Natron (Natriumhydrogencarbonat) waren den Menschen schon im Altertum bekannt und sind heute noch Bestandteile moderne Putzmittel. Statt Sand wurde häufig Schlämmkreide, also Calicumcarbonat verwendet. Kreide ist nach wie vor Bestandteil von Scheuermitteln.

Erste industrielle Reinigungsmittel

Im Jahr 1899 brachte die Mannheimer Sunlicht-Seifenfabrik AG einen neuartigen Reiniger auf den Markt. Der Gründer William Hesket Lever mischte feines Quarzmehl, mit Seifenpulver und Soda. Das Produkt wurde in einer runden Metalldose angeboten. Im Deckel befanden sich vorgestanzte Löcher, die der Verbraucher selber aufstoßen musste. Das Putzmittel mit dem Namen „VIM“ wurde als Allzweckreiniger für alles was Wasser verträgt angeboten. Es diente der Reinigung von allem außer Textilien. VIM wurde erst im Jahr 2000 wieder vom Markt genommen. 1920 brachte Henkel ein ähnliches Produkt mit dem Namen „ATA“ heraus. Kaum zu glauben aber wahr, diese Mittel gibt es noch heute im Handel. Als erster Allzweckreiniger, der auch für Wäsche geeignet war, gilt das Mittel „IMI“, das 1929 auf den Markt kam. Das Pulver wurde in Pappschachteln verkauft und zum Putzen in Wasser aufgelöst. Mit IMI wurde gewaschen, gespült und geputzt, es war das Reinigungsmittel für jeden erdenklichen Zweck.

Wie Urgroßmutter putzte

Auf Flohmärkten findet man noch Gestelle, in denen drei Schüsseln mit der Aufschrift „Soda“, „Sand“ und „Seife“ stehen. Bevor sich moderne Reinigungsmittel wie der Allzweckreiniger IMI oder das Putzmittel ATA bzw. VIM durchsetzten, rieben die Hausfrauen sich Seifenflocken von großen Stücken Kernseife selber. Die Reinigungswirkung wurde bei Bedarf mit Soda verstärkt, um Fett zu lösen oder mit Sand, wenn Verkrustungen beseitigt werden mussten. Unsere Vorfahren kannten zu jeder Zeit Mittel und Wege Schmutz zu beseitigen, auch wenn manches, aus heutiger Sicht, nichts mit Sauberkeit zu tun hatte.

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